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Gewerkschaftstag
Arbeit und Gesundheit
08. März 2005
Referat
Berichte aus den fünf Arbeitsgruppen
Linkliste
Sicherheit und Gesundheitsschutz im Schulbereich
Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt
Beanspruchung von Lehrerinnen und Lehrern –
Ergebnisse der Potsdamer Lehrerstudie
Auf Lehrerinnen und Lehrer bezogene pädagogische und psychologische
Untersuchungen konzentrierten sich traditionell auf deren Rolle im
Kontext von Lehr- und Lernprozessen. Erst seit relativ kurzer Zeit
gilt verstärkte Aufmerksamkeit der Frage, wie die
Auseinandersetzung mit den lehrerspezifischen Anforderungen auf die
Betreffenden selbst zurückwirkt, wie es im Schulalltag um die
Emotionen und Befindlichkeiten der Lehrerinnen und Lehrer bestellt
ist, kurzum: welche gesundheitsrelevanten Auswirkungen die
Lehrertätigkeit hat. Dabei handelt es sich hier um eine
Fragestellung von außerordentlicher Relevanz. Denn der
Lehrerberuf gehört zu den Berufen, die in besonderem Maße
mit psychischen Belastungen verbunden sind, und in den letzten Jahren
zeichnet sich sogar noch eine weitere Zuspitzung der
Belastungssituation ab (Schaarschmidt 2004a).
Im Rahmen der Potsdamer Lehrerstudie, die wir im Auftrage und mit
Unterstützung des Deutschen Beamtenbundes und seiner
Lehrerverbände durchführen, befassen wir uns im berufs- und
regionenübergreifenden Vergleich in einer umfassenderen Studie
mit der Belastung im Lehrerberuf, wobei auch der Vergleich mit
anderen Berufen ein wesentlicher Bestandteil der Arbeiten ist. Im
Zentrum unseres Herangehens steht ein Ansatz, der der aktiven
Mitwirkung der Betroffenen bei der Gestaltung ihrer
Beanspruchungsverhältnisse Rechnung trägt. Wir begnügen
uns nicht damit, Symptome von Belastung in Form von psychischen und
körperlichen Beeinträchtigungen zu erfassen. Vielmehr
interessiert uns die Frage, mit welchem Verhalten und Erleben die
Lehrerinnen und Lehrer den Anforderungen ihres Berufes begegnen und
in welchem Maße darin zum einen Gesundheitsressourcen, zum
anderen aber auch Gesundheitsrisiken zum Ausdruck kommen. Von einem
solchen Zugang erwarten wir einen effektiveren Beitrag zur
Früherkennung möglicher Gefährdungen und damit zur
Prävention. Konkret geht es uns um die Erfassung von Merkmalen
des Arbeitsengagements, der Widerstandsfähigkeit
gegenüber Belastungen und der arbeitsbezogenen Emotionen.
Unter Beachtung dieser Bereiche differenzieren wir nach vier Mustern
beruflichen Verhaltens und Erlebens, die sowohl Voraussetzungen als
auch Folgen der Belastungsbewältigung darstellen (zur
Musterzuordnung vgl. Schaarschmidt & Fischer 2001, 2003):
Muster G (Gesundheit: hohes, aber nicht überhöhtes Engagement,
Belastbarkeit und Zufriedenheit)
Muster S (Schonung: reduziertes Engagement, Ruhe und Gelassenheit sowie
relative Zufriedenheit)
Risikomuster A
(Selbstüberforderung: exzessive Verausgabung und verminderte
Erholungsfähigkeit, Einschränkung der Belastbarkeit und
Zufriedenheit)
Risikomuster B
(Resignation: reduziertes Engagement bei geringer Erholungs- und
Widerstandsfähigkeit, Unzufriedenheit und Niedergeschlagenheit).
In zahlreichen
Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass sich die Vertreter der
Muster in Bezug auf psychisches und körperliches Befinden,
Krankentage, Erholungsfähigkeit u. a. Gesundheitsindikatoren
deutlich unterscheiden. Dabei sind durchweg für das Muster G die
günstigsten und für die Risikomuster A und B die
ungünstigsten Werte aufzufinden, wobei sich letzteres als
besonders problematisch erweist.
3 Ausgewählte Ergebnisse
Gestützt auf Untersuchungen an nahezu 8000 Lehrerinnen und
Lehrern aus den alten und neuen Bundesländern und ebenso vielen
Vertretern anderer Berufe lassen sich zusammenfassend folgende
Aussagen festhalten (Näheres vgl. Schaarschmidt 2004a):
Musterverteilung im Regionen-, Schultyp- und
Berufsvergleich: Wir finden eine für den Lehrerberuf im
Ganzen problematische Musterverteilung vor. Regionen- und
schultypübergreifend treten wenige G-Muster (in der Regel
deutlich unter 20%), dafür aber viele A- und B-Muster auf (pro
Muster um die 30%). In keiner weiteren der von uns noch untersuchten
Berufsgruppen ergibt sich ein derart hoher Anteil von Risikomustern.
Und speziell das kritischste Muster B herrscht im Vergleich der
Berufe vor. Insgesamt ist also ein bedenkliches Ausmaß an
Gesundheitsgefährdung zu konstatieren, wobei es kaum eine Rolle
spielt, in welchem Bundesland oder in welcher Schulform der
Lehrerberuf ausgeübt wird.
Zusammenhänge mit konkreten schulischen Bedingungen:
Geprüft wurden die Zusammenhänge zwischen
Beanspruchungserleben und konkreten schulischen Bedingungen, um
belastende, aber auch entlastende Faktoren zu identifizieren. Als die
belastendsten Bedingungen werden von den Lehrern aller Regionen das
Verhalten schwieriger Schüler, große Klassen und hohe
Stundenzahlen genannt. Erwartungsgemäß zeigen sich auch
hier musterspezifische Ausprägungen (stärkere Ausprägung
bei Risikomustern). Hervorzuheben ist jedoch, dass selbst die Lehrer
des Musters G, also die Widerstandsfähigsten, ihre Belastung
durch diese Faktoren, insbesondere die beiden erstgenannten, hoch
veranschlagen.
Als einen gewichtigen Faktor möglicher Entlastung machen wir das
Erleben sozialer Unterstützung aus. Konkret erweist sich, dass
dort, wo die Schulleitung und das Kollegium als unterstützend
wahrgenommen werden, günstigere Musterkonstellationen bestehen,
weniger psychische und körperliche Beschwerden berichtet werden,
eine geringere Anzahl von Krankentagen vorliegt und auch die o. g.
schulischen Belastungsbedingungen weniger zu Buche schlagen.
Zusammenhänge mit Geschlecht und Alter: Der
Geschlechtsvergleich lässt Unterschiede erkennen, die zum
Nachteil der Frauen ausfallen. Durchweg finden wir für sie einen
höheren Anteil an Risikomustern und einen geringeren G-Anteil
vor. Die nähere Betrachtung der Profile weist vor allem die
ungünstigeren Werte im Bereich der Widerstandsfähigkeit
gegenüber den Belastungen aus. Hier ist zum einen zu bedenken,
dass sich Frauen oftmals stärker emotional engagieren als ihre
männlichen Kollegen. Dies wiederum kann (vor allem bei
ungünstigen Arbeitsbedingungen, wie etwa zu großen
Klassen) zu mehr Verausgabung der Kräfte und größerer
emotionaler Erschöpfung führen. Darüber hinaus ist in
Rechnung zu stellen, dass für viele Frauen noch immer die
außerberuflich höheren Anforderungen bestehen, was die
Regenerierung erschweren und die Belastbarkeit vermindern dürfte.
Die Betrachtung der Altersabhängigkeiten weist auf eine
progressive Verschlechterung der Beanspruchungssituation über
die Berufsjahre hin. Dabei sind für die Frauen die noch
deutlicheren Beeinträchtigungen im Laufe der Berufsausübung
festzustellen.
Musterverteilung bei Lehramtsstudierenden und Referendaren: In
die Untersuchung wurden auch Lehramtsstudierende und
Referendare einbezogen (vgl. Schaarschmidt 2004b). In beiden Gruppen
finden wir eine deutlich andere Verteilung als bei den im Beruf
stehenden Lehrerinnen und Lehrern vor (weniger Risiko-Muster, mehr
Muster G und S). Es scheint sich diesem Ergebnis zufolge in den
ersten Berufsjahren eine massive Veränderung in Richtung höherer
Risikoanteile zu vollziehen. Zu beachten ist aber auch, dass der
durch die Studierenden repräsentierte Ausgangszustand keineswegs
problemlos ist. Der B-Anteil liegt (mit 25%) bereits höher als
bei Studierenden anderer Fächer. Und ebenfalls muss das (im
Fächervergleich) häufigere Vorkommen des Musters S (31%)
zum Nachdenken veranlassen, drücken sich darin doch vor allem
Motivationsdefizite aus.
4 Schlussfolgerungen unter dem Interventionsaspekt
Es steht außer Frage, dass gezielte Anstrengungen erforderlich
sind, um auf die Veränderung der Belastungsverhältnisse und
die Gesundheitsförderung im Lehrerberuf Einfluss zu nehmen.
Dabei ist generell zwischen verhältnis- und personenbezogenen
Maßnahmen zu unterscheiden. Beide sollten sich prinzipiell
ergänzen.
Wenn nach Veränderungsnotwendigkeiten auf der Seite der
Verhältnisse gefragt wird, ist zunächst der Umstand von
Relevanz, dass für die Lehrerschaft im Ganzen, relativ
unabhängig von der Region und vom Schultyp, problematische
Musterkonstellationen gefunden werden. Dies weist darauf hin, dass in
der Tat auch an den Rahmenbedingungen des Berufs angesetzt werden
muss. Dazu zählen den häufigsten Angaben der Befragten
zufolge u. a. die Erhöhung der gesamtgesellschaftlichen
Verantwortung für die Erziehungs- und Bildungsaufgaben, die
Gewährleistung von mehr Selbstbestimmung, Ruhe und Kontinuität
in der schulischen Arbeit, die Einstellung von mehr jungen
Lehrerinnen und Lehrern und die Ermöglichung beruflicher
Alternativen für solche Personen, die sich den spezifischen
Anforderungen der Schule nicht mehr gewachsen fühlen.
Im Weiteren gilt es, an konkreten Arbeitsbedingungen im schulischen
Alltag anzuknüpfen. Hier ist ein breites Spektrum
gestalterischer Maßnahmen gefordert, von der Schaffung
zumutbarer Klassengrößen bis hin zu einer Schulkultur, die
ein hohes Maß an Gemeinsamkeit und gegenseitiger Unterstützung
einschließt. Gerade das Unterstützungserleben kann unseren
Ergebnissen zufolge ein wesentlicher protektiver Faktor der
Belastungsbewältigung sein.
Weitere Schlussfolgerungen müssen schon das Vorfeld der
Berufstätigkeit betreffen, d. h. das Studium und die
Studienorientierung. Es ist nicht nur unter dem Gesichtspunkt der
späteren Leistungsfähigkeit, sondern auch unter dem der
Gesundheitsvorsorge dringend zu fordern, dass bei der Vorbereitung
auf den Lehrerberuf die Entsprechung von Eignungs- und
Anforderungsprofil stärkere Berücksichtigung findet
(Schaarschmidt 2004b).
Notwendig ist es schließlich auch, Lehrerinnen und Lehrern mit
bereits fortgeschrittenem Belastungserleben konkrete Hilfe zu geben.
Dabei ist ein differenziertes Vorgehen je nach Problemlage
erforderlich. Auf die weitestgehende Unterstützung sind die
Personen des Musters B angewiesen. Freilich bedarf es dabei eines
ausreichenden und qualifizierten
Hilfsangebotes. Davon kann momentan noch keine Rede sein. Zu fordern
sind die regelmäßige arbeitsmedizinische
Vorsorgeuntersuchung, aber auch ein darüber hinaus gehendes
regionales System der Beratung und Betreuung. Natürlich muss
auch klar sein, dass ein Beratungs- und Betreuungssystem individuelle
Problemlösungen unterstützen, aber übergreifende
Ursachen für Problementwicklungen nicht beseitigen kann. Deshalb
muss der Schwerpunkt der Prävention eindeutig bei der
Veränderung der Bedingungen liegen, von denen in erster Linie
die Gesundheitsrisiken ausgehen.
Literatur
Schaarschmidt, U. & Fischer, A. W. (2001). Bewältigungsmuster
im Beruf. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Schaarschmidt, U. & Fischer, A. W. (2003). AVEM -
Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster. 2. erw. Aufl.
Frankfurt: Swets & Zeitlinger.
Schaarschmidt, U. (Hrsg.) (2004a). Halbtagsjobber? Psychische
Gesundheit im Lehrerberuf. Analyse eines veränderungsbedürftigen
Zustandes. Weinheim: Beltz.
Schaarschmidt, U. (2004b). Fit für den Lehrerberuf? Psychische
Gesundheit von Lehramtsstudierenden und Referendaren. In U. Beckmann,
H. Brandt & H. Wagner (Hrsg.): Ein neues Bild vom Lehrerberuf?
Pädagogische Professionalität nach Pisa. Weinheim: Beltz,
100-115.
Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt
Universität Potsdam
Postfach 601553, 14415 Potsdam
schaar@rz.uni-potsdam.de
Mehr Information zur Potsdamer Lehrerstudie finden Sie unter
www.persoenlichkeitspsychologie-potsdam.de
AG 1:
G. Tiesler, I. Borchert, Uni Bremen:
„Lärm: Belaster und Lernverhinderer – und was man dagegen tun kann“
Wichtige Schritte gegen Lärmbelästigung beziehen sich einerseits auf
bauakustische und andererseits auf pädagogische Maßnahmen.
Herr Tiesler stellt die Ergebnisse der Studie „Lärm in
Bildungsstätten - Ursachen und Minderung“ vor. Sie ist ein
Folgeprojekt der Studie „Belastung und Beanspruchung von
Lehrerinnen und Lehrern“, in der festgestellt wurde, dass ca.
80 % der Lehrenden Lärm als wichtigen Belastungsfaktor angeben.
Anschließend referiert Frau Ines Borchert über
Möglichkeiten der pädagogischen Intervention bei
Lärmbelastung.
Im Rahmen der Studie wurden Geräuschsituationen in 4 Grundschulen und
einer Schule der Sekundarstufe I untersucht. In diesen Schulen wurden
während des Unterrichts durchschnittliche Schallpegel zwischen
60 und 85 dB(A) (Dezibel) gemessen; sie übersteigen um ein
Mehrfaches die von der Arbeitswissenschaft für informatorische
Arbeiten empfohlenen Grenzwerte von 50 dB(A) (eine Senkung um 3 dB(A)
bedeutet eine Halbierung des Schallpegels). Eine fehlerfreie
Informationsübertragung setzt optimale raumakustische
Bedingungen voraus, die anhand der Nachhallzeit von Schallsignalen
und der Sprachverständlichkeit gesprochener Texte, errechnet als
Sprachverständlichkeits-Index (STI) beurteilt werden. Je länger
die Nachhallzeit, desto schlechter die Sprachverständlichkeit
und desto größer der Grundgeräuschpegel. Denn hohe
Nachhallzeiten bedeuten ungenügende Absorption von
Störgeräuschen, was wiederum dazu führt,
Verständnisfehler durch Anheben der Stimme zu vermeiden. Ein STI
von 0,75 bedeutet eine Sprachverständlichkeit von 75 %, 82 –
85 % sind erreichbar. Die Bedeutung der Nachhallzeit ist für das
Lernen immens wichtig, insbesondere für Spracherwerb und
Lernverhalten bei Kindern. Erwachsene können aufgrund von
Erfahrungen sprachliche Verständnislücken eher ergänzen.
Was kann man gegen Lärm tun?
Pädagogisches Konzept, Sozialverhalten
Pädagogische
Intervention
Raumakustische
Intervention
Kombination
von pädagogischem Konzept und raumakustischer Intervention
Schulorganisation
(z. B. 45-Min.-Stunde statt 90-Min.-Stunde)
Pädagogisches Konzept: In der einen untersuchten Grundschule, der sog. „leisen“
Grundschule, hatte das Kollegium ein systematisches
Verhaltenstraining für Schulanfänger/innen eingeführt,
das von allen Kolleginnen und Kollegen angewandt wurde. Ein
wesentlicher Teil dieser Regeln hat Lärmminderung bzw.
Lärmvermeidung zum Gegenstand. Durch pädagogische
Intervention kann eine Senkung des mittleren Schallpegels um 2 –
3 dB(A) erreicht werden, also fast eine Halbierung. Eine weitere
Möglichkeit ist der Einsatz des SoundEar (das Gerät
arbeitet wie eine Ampel mit den Farben grün, gelb und rot, die
in Abhängigkeit vom Schallpegel umschalten). Der Einsatz kann
mit einer Unterrichtseinheit „Ohr und Hören“
verbunden werden. Auch diese Maßnahme zeigte eine lärmmindernde
Wirkung.
Raumakustische
Sanierung: Im Projekt wurde die Raumakustik in 3 Klassenräumen
durch Einzug einer akustisch absorbierenden Decke und einer Pin-Wand
als Rückwand erheblich verringert. Die Nachhallzeit sank von ca.
0,45-0,9 vor der Sanierung auf ca. 0,25-0,35 nach der Sanierung. Die
Sprachverständlichkeit wurde vorher als befriedigend und nachher
als sehr gut bewertet. Physikalisch bedeutet das eine Reduzierung des
Schallpegels um max. 3 dB(A), tatsächlich wurde aber in einem
Klassenraum eine Senkung des Schallpegels um 5 dB(A) erreicht, die
auf das veränderte Sozialverhalten der Schülerinnen und
Schüler zurückzuführen ist: „Wenn es leiser ist,
braucht man nicht so laut zu reden.“ Die Lehrerin dieser Klasse
sagte nach der Sanierung, sie habe das Gefühl, vor einer neuen
Klasse zu stehen. Sie meinte nicht den Klassenraum, sondern die
Schülerinnen und Schüler! Auch die Pulsfrequenz der
Lehrkraft sank um 4-5 Schläge/Minute.
Zum Abschluss stellt Herr Tiesler das TOP-Modell der Arbeitswissenschaft
vor (technisch-Organisation-personell):
Gute
Akustik erhöht bei Neubauten die Bausumme um ca. 1 %, bei
geplanter Sanierung führen Akustikdecken zu nur geringem
Mehraufwand, eine nachträgliche Sanierung eines Klassenraumes
führt zu Kosten von ca. 4.500 € (Decke und Rückwand),
es ist auch günstiger für ca. 2.500 € möglich,
dann allerdings optisch nicht so ansprechend. Architekten und
Schulträger haben oft Einwände gegen den Einsatz weicher
Materialien, aber wie das Beispiel Dänemark zeigt, bedeuten
„leise Schulen“ auch weniger Zerstörungen.
Pädagogische Intervention: Frau Borchert stellt die pädagogische
Intervention vor, die sie in zwei Bremer Grundschulklassen
durchgeführt hat. Die Struktur besteht aus fünf Bausteinen:
Die Durchführung erstreckte sich über 3 Wochen: 1. Woche
Beobachtung, 2. Woche Intervention, 3. Woche Nachbeobachtung, pro
Tag ½ bis 1 Stunde. Für eine nachhaltige Wirkung müsste
die Übung regelmäßig wiederholt werden.
In der anschließenden Diskussion ergeben sich folgende Anregungen:
Die pädagogische Intervention muss im Kindergarten/in der
Grundschule ansetzen, im Sek. I-Bereich ist vielleicht ein Zugang
über die Fächer Physik und/oder Biologie möglich.
Es gibt Akustikbeispiele auf Kassette/CD, mit denen Schwerhörigkeit
simuliert werden kann.
Einheitliches Handeln der Kolleginnen und Kollegen ist wichtig, alle Verhalten sich
nach den gleichen Regeln.
AG 2:
Doris Rusteberg:
Konzept und Ergebnisse des bugis-Projektes
Frau Dipl.Oek. Doris Rusteberg von der Uni Hannover stellte anhand einer
Power-Point-Präsentation die Ergebnisse des bugis-Projektes dar,
das von Dezember 2002 bis Mai 2004 lief.
Die Hintergründe zu diesem Projekt beschrieb sie wie folgt in
Kurzform:
Im Jahr 2000 : Große Anfrage im Nds. Landtag zum Thema
„Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung am
Arbeitsplatz Schule“
Ebenfalls im Jahr 2000 nach dem Beschluss der Einigungsstelle, der durch
jahrelanges zähes Bemühen des SHPR herbeigeführt
wurde, die Erstellung des Konzeptes durch das Nds. MK.
Zur Umsetzung des Arbeitssicherheitsgesetzes von 1974 und dem
Arbeitschutzgesetz von 1996 Bestellung von Fachkräften für
Arbeitssicherheit und Betriebsärzten, Einrichtung von
Arbeitsschutzausschüssen.
Zur Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes von 1996 Durchführung der
Gefährdungsbeurteilung in einem Pilotprojekt.
Das vorrangige Projektziel war praktikable Lösungen für
Gefährdungsbeurteilungen zu finden.
Beteiligt waren 17 Schulen; außer den BBS waren alle Schulformen
vertreten.
Der Auftraggeber war das MK, durchgeführt wurde das Projekt von der
Uni Hannover.
Für die Erklärungsansätze zur Lehrer/innenbelastung wurde
einmal der Focus auf Personen „und deren Bewältigungsvorhaben“
gelegt und zum Anderen auf die Arbeitsbedingungen „und deren
Belastungsfaktoren“.
Als Ergebnis wurde festgehalten: Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren
entstehen aus der wechselseitigen Beziehung zwischen Arbeitssituation
und Person.
Folgende Einflussfaktoren auf das Befinden und auf die Gesundheit der
Beschäftigten in der Schule wurden als besonders bedeutsam
genannt:
Das Führungshalten der Schulleitung hat großen Einfluss auf
das Befinden der Lehrkräfte und die Unterstützung durch ein
soziales Netz ist ein großer Puffer gegen Belastungen.
Als große Ressourcen wurden Anerkennung, Lob und Bestätigung
gesehen. Beteiligung und Mitbestimmung wurden als positive Faktoren
auf das Befinden und die Gesundheit gewertet.
Frau Rusteberg stellte die Projektstruktur dar: Zum Einen die zentrale
Steuergruppe mit Vertretern des MK, SHPR, SBPR, Bez.Reg. Hannover,
Schulträger, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt,
Projektmanagement Uni Hannover und dann die 17 beteiligten Schulen
mit jeweils der schulischen Steuergruppe (Neu:
Arbeitsschutzausschuss), bestehend aus Schulleitung, SPR,
Sicherheitsbeauftragten, sowie nach Bedarf Fachkraft für
Arbeitssicherheit, Arbeitsmediziner.
In den Schulen bildeten sich darauf Beteiligungsgruppen, die durch eine
externe Moderatorin begleitet wurden.
Die Gefährdungsbeurteilung wurde in einem gestuften Konzept
durchgeführt. Die Grobanalyse wurde durch standardisierte
Erhebungen (Fragebögen und Raumkatasterbögen) erstellt.
Danach erfolgten vertiefende Analysen, die zur Erarbeitung von
Verbesserungsmaßnahmen führten. Die Umsetzung von
Verbesserungsmaßnahmen wurde durch verschiedene Beteiligte, je
nach Problemlage, bearbeitet.
Am Ende dieses gestuften Konzeptes erfolgte die Prozess- und
Ergebnisevaluation. In der Diskussion wurde festgehalten, dass die
Auswertung der standardisierten Fragebogen,
die insbesondere auch die
psychosozialen Belastungen beinhalten, immer von Schulexternen –
hier Uni Hannover – durchgeführt werden sollten um die
Anonymität und Neutralität zu wahren.
Beim Belastungsvergleich der Arbeitsaufgaben antworteten 4 von 5
Lehrkräften, dass die Erschwernisse besonders durch laute
Schüler, durch auffälliges Verhalten und durch große
Klassenstärken gegeben seien.
Zwei besondere Phänomene wurden in diesem Zusammenhang besprochen:
Einmal das Phänomen der Selbstbelastung („Ich bin immer
dann eine gute Lehrkraft, wenn ich arg belastet bin.“) und das
Phänomen der Emotionsarbeit: Eine Lehrkraft kann nur gut
arbeiten, wenn die Schüler auch bereit sind mitzuarbeiten.
Frau Rusteberg erläuterte weiterhin, dass es oft pro Stunde 100 –
200 Unterrichtsstörungen gebe und dass die Lehrkräfte in
dieser Zeit permanent analytisch tätig seien, z.B. „greife
ich ein, halte ich mich zurück . . .“
Beim Belastungsvergleich der Schulorganisation verhielten sich die
Lehrkräfte insgesamt bei der Bewertung sehr vorsichtig. Dagegen
waren die Ergebnisse im Belastungsvergleich der Schulkultur
aussagekräftiger. Hohe Werte erzielten: Lärm, Raumklima,
fehlende Pausenräume – Pausen sind oft purer Stress.
Beim Belastungsvergleich nach Arbeitszeit ist festzustellen, dass es bei
den Erschwernissen kaum Unterschiede gibt zwischen Vollzeit- und
Teilzeitarbeitenden.
Gesundheitlich am stärksten beeinträchtigt fühlen sich die
50-54-jährigen Lehrkräfte und diejenigen, die in der
Altersteilzeit sind.
Bei der Frage nach den Potenzialen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen
antworteten 180 von 582 (31%) Personen mit: Reduzierung der
Lerngruppengröße. In der Weiterentwicklung pädagogischer
Ansätze sahen 18% und in der Reduzierung der Arbeitszeit 17% der
Befragten Notwendigkeiten zur Verbesserung.
Bei den am Projekt der beteiligten Schulen wurde das Thema
„Schülerverhalten (auffällig, heterogen)“ am
häufigsten bearbeitet. Es folgten die Themen „Erholung in
den Pausen“, „Absprachen miteinander“,
„Zusammenarbeit im Kollegium“.
Die Ergebnisse der Projektarbeit wurden in den schulischen
Beteiligungsgruppen in Bezug auf Zusammenarbeit, Gesprächsklima,
Gedankenaustausch, Unterstützung durch externe Moderation als
positiv eingeschätzt. Kritisch wurden die fehlenden
Unterstützungsangebote gesehen.
In den schulischen Steuergruppen wurden neben den positiven
Einschätzungen wie: Anstöße für weitere
Initiativen und Umsetzung konkreter Maßnahmen auch kritische
Anmerkungen gegeben wie die zeitliche Belastung, die teilweise im
Missverhältnis zum Ertrag stand.
Insgesamt kann dieses Projekt als Erfolg gewertet werden. Die Erfolgsfaktoren
waren:
gut arbeitende schulische Steuergruppen
die Repräsentativität der Beteiligungsgruppen
die realistischen Ziele und Maßnahmen
die Kompetenz der Moderatorinnen
die Bewährung der Instrumente (z.B. Fragebogen)
Am Ende der Veranstaltung wurde dargelegt, welchen Weg eine Schule gehen
sollte, um eine beteiligungsgestützte und umsetzungsorientierte
Gefährdungsbeurteilung ihrer Einrichtung vorzunehmen:
· Vorstellung von bugis
· interne Zustimmung (GK-Beschluss)
· zuständige Fachkraft für Arbeitssicherheit hinzuziehen – Steuergruppe
bilden
· Erhebungsinstrumente der Uni Hannover nutzen – Auswertung verursacht Kosten
· Rückmeldung der Ergebnisse durch Uni – danach Themenfestlegung in der
Schule
· Bildung von Beteiligungsgruppen mit externer Moderation. 6 – 8 Treffen
· Entscheidung und Umsetzung
Hinweis:
Der Fragebogen und die bugis-Ergebnisse können als PDF-Dateien (1,3 bzw. o,5 MB groß) beim Pressesprecher des GEW-Bezirksverbandes Braunschweig, Erwin Lörsch, angefordert werden.
AG 3:
Heidrun Bräuer:
Konzepte zur schulischen Gesundheitsprävention
In dieser AG wurde von Frau Dipl.-Päd. Heidrun Bräuer ein
Modellprojekt/Studie der Uni Lüneburg -Institut für
Psychologie- zur Lehrergesundheit vorgestellt. Die Studie wurde an
vier Projektschulen des berufsbildenden Bereiches durchgeführt.
Durch den modellhaften Charakter ist das Konzept auf andere
Schulformen übertragbar.
Die Zielbeschreibung des Projektes war nach Aussage der Referentin „Die Entwicklung
und Erprobung eines Konzeptes zur nachhaltigen Förderung der
Gesundheit von Lehrkräften“. Im Projekt wurden die
Prinzipien der Partizipation und Selbststeuerung realisiert. Dies
bedeutet, dass die Lehrkräfte von Beginn an beteiligt wurden und
selbst bestimmten, zu welchen Bereichen sie Maßnahmen
entwickeln und umsetzen wollten.
In der Ausgangslage zum Modellprojekt heißt es, dass Lehrerinnen
und Lehrer stärker belastet sind als andere Berufsgruppen und
ihre Geamtbelastbarkeit ca. 25 % über dem
Bevölkerungsdurchschnitt liegt. Daher zeigen sich deutlich
erhöhte Werte bei psychischen Beschwerden und entlastende
Aspekte werden z. B. schlechter als vom Durchschnitt beurteilt.
Von daher kommt im Projektablauf der Diagnose eine zentrale Bedeutung zu,
wobei die Ausgangslage mit Hilfe einer Ist-Analyse durch
schriftliche Befragung aller Lehrkräfte erfolgte.
So wurden z.B. die situativen Anforderungen wie
Schülerzahlen/Klassengröße oder die Arbeitszeit von
Lehrerinnen und Lehrern subjektiv bewertet, so dass Unterricht,
Benotung und dergl. als Belastung empfunden wurden und damit eine
Überforderungssituation entsteht, die als Stress erlebt wird.
Wenn personale und organisatorische Ressourcen, wie fachliche oder
sozio-emotionale Unterstützung in der subjektiven Bewertung
ebenfalls als Belastung empfunden werden, so führt das, wie im
Anforderungsmodell aufgezeigt, ebenfalls zum Stresserleben (daher
Anforderungs- Ressourcen-Modell). So nimmt die Identifikation von
Belastungen, Beanspruchungen und Ressourcen einen zentralen Platz im
Diagnoseablauf ein. Die sich daraus ergebenden Handlungen haben
unmittelbar Auswirkungen auf die Lehrergesundheit, die sich
beispielsweise in der Anzahl der Krankheitstage manifestieren kann.
Aus den gesammelten Daten des Anforderungs- Ressourcen- Modells kann die
innere Verfassung der jeweiligen Schule erkannt werden. Sie sind die
Basis für die Entwicklung schulspezifischer Maßnahmen,
da eine umfassende Datenrückmeldung erfolgt.
Hier gilt es nun die Motivation dafür zu schaffen, dass sowohl in der
Selbsteinschätzung als auch in der kollegialen Einschätzung
mit Veränderungen in der Schule, zu beginnen.
Durch die Schaffung von Problembewußtsein lassen sich dann
Veränderungspotentiale erkennen. Wie zu Beginn erwähnt,
bestimmten die Lehrkräfte selber, zu welchen Bereichen sie
Maßnahmen entwickeln und umsetzen wollten. Beispielhaft sei
hier hervorgehoben, dass die Lehrkräfte in der Studie so
unterschiedliche Ideen wie Veränderungen in kommunikativen
Bereichen der Schule wünschten. So sollte z.B. eine Cafeteria
oder ein Entspannungs-Ruheraum realisiert werden oder die
Arbeitsplatzgestaltung inklusive des Lehrerzimmers sollte verändert
werden. Gemeinsame Aktionen im sportlichen Bereich wurden ebenso
genannt wie das Erlernen von Entspannungstechniken oder Supervision
in der Schule.
Selbstverständlich fand und findet zurzeit immer noch eine Evaluation der Prozesse an
den Modellschulen statt, da die Studie in der Begleitung noch bis zum
30.06.05 andauert.
Weitere detailliertere Informationen zum Modellprojekt können auf der
Internetseite lehrergesundheit.uni-lueneburg.de abgerufen
werden. In diesem Zusammenhang gibt es auch eine große Anzahl
weiterer Internetadressen, in denen allgemeine Informationen zur
Durchführung von Gesundheitsprojekten gegeben werden oder aber
auch eine Reihe von Materialien, die sich mit dem Instrumentarium zur
Durchführung von Ist-Analysen beschäftigen.
Nach der Vorstellung der Studie durch Frau Bräuer sollte in
Arbeitsgruppen weitergearbeitet werden, in der die Beteiligten
aufgefordert wurden, Vorstellungen zu entwickeln, was sie an ihrer
Schule unternehmen könnten. In einer zweiten Aufgabe
sollten dann Überlegungen angestellt werden, welche konkreten
Arbeitsschritte zur Förderung von Lehrergesundheit im nächsten
Jahr an der Schule umgesetzt werden sollten. An dieser Stelle tat
sich die Arbeitsgruppe schwer, da zwar die Einschätzungen hier
etwas tun zu müssen unbestritten waren aber die Möglichkeiten
der Durchsetzung stark in Zweifel gezogen wurden. Darüber
entspann sich eine teils kontrovers geführte Diskussion über
die Probleme aber auch die Möglichkeiten bei der Durchsetzung
dieser berechtigten Forderungen. Die eigentliche Gruppenaufgabe wurde
nicht weiter bearbeitet, weil das Bedürfnis nach mehr
Informationsmaterial zum Thema „Lehrergesundheit“ in den
Vordergrund geriet. Einen zweiten zentralen Raum in der Diskussion
kristallisierte sich heraus bei der Frage, welche „Verbündeten“
sich Lehrkräfte mit „ins Boot“ holen könnten,
wenn an ihrer Schule zum Thema Lehrergesundheit gearbeitet wird.
Dabei wurden insbesondere die Angebote der Fachkräfte für
Arbeitssicherheit (SVBl 8/2004 ) und die Arbeitsmediziner erwähnt,
deren Fachkompetenz man sich bedienen könne. Diese Erörterungen
sprengten den noch zur Verfügung stehenden Zeitrahmen, so dass
man nicht mehr zur Aufgabenstellung zurückfand. Abschließend
gab es aber doch den Konsens, dass es wichtig sei, egal welche
Hindernisse und Voraussetzungen vor Ort gegeben sind, sich mit dem
Thema in der Schule/im Kollegium zu beschäftigen. Jeder Anfang
-sei er noch so klein- ist besser als gar nichts zu machen und sich
schicksalergeben zu fügen. Man sollte nicht von anderen die
ersten Schritte erwarten, sondern selber die Initiative ergreifen.
AG 4:
Elisabeth Gäßler:
Motivation der Motivateure
Statt Motivation der Motivateure wollte die Referentin ihre AG lieber unter
das Thema Lehrerbelastung und Lehrergesundheit stellen.
1. Projekt Lehrergesundheit
Ziel des seit 2001 laufenden Projekts ist die Senkung der Anzahl von
Frühpensionierungen.
Zu viele Kollegen/innen sind vermindert dienstfähig oder gehen wegen
Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand.
Nach eingehender Analyse der Gründe geht es in diesem Projekt um
präventive Maßnahmen:
Kollegien können dazu Fortbildungen anfordern
individuelle Maßnahmen für einzelne Lehrer (Projekte und
Beratungsstellen sind im Internet abrufbar)
Beratungsangebot zusammen mit dem schulpsychologischen Dienst
Zusammenarbeit mit Schulbehörden und Amtsärzten
AG Berufszufriedenheit und Gesundheit (Angebote für Schulen bzw.
Lehrer)
2. Daten und Fakten zur Lehrerbelastung
Die Anforderungen durch Bildungs- und Erziehungsziele werden als
belastend empfunden.
Es besteht keine Balance zwischen Können – Wollen –
Sollen.
Berufsunspezifische Belastungen sind
mangelnde Kooperation, Offenheit, Konflikte mit Vorgesetzten oder
Kollegen, fehlende Anerkennung, Bürokratie, geringe Aufstiegsmöglichkeiten, hoher
Innovationsdruck.
Berufsspezifische Belastungen sind
Problemschüler in großen Klassen, simultane
Mehrfachbelastung, unterschiedliche Erwartungen
an die Person des Lehrers und dass der Unterricht als interaktiver
Prozess als schwierig empfunden wird.
3. Subjektivität der Belastung
Jeder Betroffene empfindet Belastung unterschiedlich schwer und muss über
seine persönlichen Stärken eigene Wege zur Bewältigung
finden. Doch muss auch innerhalb der Schule Belastung von
einzelnen wahrgenommen werden, damit es zu Unterstützung kommen
kann.
Trotzdem: Der Antrieb zur Veränderung kann nur vom Betroffenen selbst
kommen.
Er muss auf sich selbst achten (Freude statt Frust!) und realistische und
positive Ziele für sich formulieren. Doch fehlt dazu häufig
4. Die Motivation.
Ist Resignation ein Grund dafür, dass man Belastungen bzw.
Situationen nicht verändern will?
Voraussetzung ist aber eine Veränderungsbereitschaft!
Die anschließende Diskussion
bezog sich auf die Situation in Niedersachsen. Im Vergleich zu Rheinland-Pfalz
gibt es wenige Angebote zur Prävention. Unterstützungs- und Beratungssysteme werden
eher ab- statt aufgebaut.
Statt Fürsorgepflicht wird Eigenverantwortung erwartet.
Dies wurde von den Teilnehmern der AG stark kritisiert, obwohl auch
Übereinstimmung darin bestand, dass der einzelne für seine Gesundheit verantwortlich ist und
innerhalb seines Systems durchaus kleinschrittige Veränderungen zum Positiven vornehmen kann.
Die bestehenden Ansätze in Niedersachsen Probleme des Arbeits- und
Gesundheitsschutzes anzugehen, sind noch kaum bekannt (Fachkräfte
für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte,
Arbeitsschutzausschüsse). Sie scheinen mehr auf technische als
auf physische Belastungen ausgerichtet zu sein.
AG 5:
Arbeit in den 5. und 6. Klassen der Hauptschule.
Probleme - unlösbar?
Vorstellungsrunde
Alle
anwesenden KollegInnen können in der Regel langjährige
Unterrichtserfahrungen aus der OS in den Unterricht der jetzigen 5.
und 6. klassen der HS einbringen
Sie
fühlen sich dennoch mit den derzeitigen Gegebenheiten
überfordert und größtenteils hilflos
Der
Unterricht ist vielfach nur mit reduzierter Stundenzahl
„auszuhalten“
Beschreibung der Problemlage
Schule
wurde zur „Restschule“
Es
fehlen positive Vorbilder in der Klasse
Den
SchülerInnen fehlen elementare Formen von Arbeitstechniken
Wünschenswerte
Normen und Werte sind nicht ansatzweise mehr vorhanden
Störung
des Unterrichts durch wiederholte Konflikte zwischen SchülerInnen
Lärmende
und aggressive SchülerInnen
Ballung
von ProblemschülerInnen
Einschätzung der eigenen Belastung durch die TeilnehmerInnen (räumliches
Soziogramm)
die
Mehrzahl sieht die Belastung durch die eigenen Arbeit als so stark
an, dass die Leistungskraft im Laufe des Berufslebens nicht
erhaltbar erscheint
Die
eigene Schule und das Kollegium können nur in Einzelfällen
dafür sorgen, dass die Belastungen aus der Arbeit ermittelt,
beurteilt, verringert , beseitigt werden können.
Gewichtung der vier Hauptbelastungsbereiche der Arbeitszeit in der HS
(räumliches Soziogramm)
Arbeitsumfeld:
Gebäude, Klassenraum, Lehrmittel etc.
Schulkultur:
Leitung, Kollegialität, Kommunikation
Arbeitsorganisation:
Stundenplan, Zeitmanagement, Pausenordnung, Klassenstärke
Arbeitsaufgabe:
Unterricht, Beurteilung, Beratung, Erziehung
Über die Hälfte der TeilnehmerInnen leidet unter dem
Belastungsbereich Arbeitsaufgabe, oft gekoppelt mit den Belastungen
durch die Schulkultur und Arbeitsorganisation. Das Arbeitsumfeld
spielt offenbar eine untergeordnete Rolle.
Als zusätzliche Belastung wird die mangelnde Wertschätzung
in der Öffentlichkeit gesehen.
Faktoren und Bereiche, die die Belastung der Berufsarbeit positiv
bzw. negativ beeinflussen (Kartenabfrage)
Unlösbar?
1. Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen:
Ermittlung der Belastungen
Angebot der GEW: finanzielle Unterstützung der Hauptschulen
bei der Teilnahme an der bugis Untersuchung (siehe dortige AG)
Defizite
an Schulen konkret erheben Arbeitsaufgabe als zentrales Thema der
Belastung deutlich machen, nicht kaschieren
Arbeitsbedingungen
der Lehrkräfte an der HS bei LSchB und KuMi vorbringen.
Moderatoren der AG und Kontakte
Linkliste
Sicherheit und Gesundheitsschutz
im Schulbereich
Portal zum Arbeitsschutz in Schulen Niedersachsens:
http://www.arbeitsschutz.nibis.de
Alle Arbeitsschutzvorschriften der Unfallkassen zum Download:
http://regelwerk.unfallkassen.de/
Infos zu Lärm und Sprachverständlichkeit:
http://www.schulakustik.de
http://www.buero-forum.de/bueromoebel/content/
con1/ergonomie/arbeitsumfeld/akustik/index_html?query_start=4
Infos zur guten Beleuchtung in Klassenräumen:
http://www.licht.de/index.php?publikationen
Infos zum Thema Burn Out:
http://www.psych.uni-potsdam.de/personality/bewaeltigung-d.html
http://alp.dillingen.de/projekte/schulpsychologie/2005/
sieland/internetdiagnosen.pdf
http://lehrergesundheit.bildung-rp.de/frameset.html
Allgemeines Portal zum Arbeitsschutz:
http://www.praevention-online.de/pol/start_frames.html
Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin u.a. mit
kostenloser Bestellmöglichkeit der Reihe „Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse“:
http://www.baua.de
„
Dicke Luft in Schulen“ Ergebnisse von CO2-Messungen des
Landesgesundheitsamtes Niedersachsen:
http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C9845081_L20.pdf
Schulrecht in Niedersachsen: u.a. alle Erlasse zum Arbeitsschutz:
http://www.schure.de
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